Schlacht von Poitiers (732) — auch Tours genannt
Umayyadische Expedition 732 – Franken und Aquitanier gegen ʿAbd ar-Raḥmān · Zwischen Poitiers und Tours (genauer Ort unbekannt; viele Hypothesen, z. B. Moussais)
Zusammenfassung
Im Oktober 732 (Datum und Ort umstritten; engl. Battle of Tours; arab. Balāṭ al-shuhadāʾ) stoppt Karl Martell, von Eudo nach Bordeaux gerufen, ʿAbd ar-Raḥmāns Heer zwischen Poitiers und Tours. Woche der Scharmützel, dann Stoß: umayyadische Reiterei gegen fränkische Infanterie „wie eine Mauer“ (mozarabische Chronik). Eudos Wasconen bedrohen das Lager; ʿAbd ar-Raḥmān fällt; Nachtflucht. Sieg stärkt die Pippiniden und schwächt Eudo, ohne die muslimische Präsenz nördlich der Pyrenäen „endgültig“ zu beenden (Septimanien bis 759; Rhône-Raids ab 734).
Historischer Kontext
Nach Bordeaux plündert ʿAbd ar-Raḥmān (und setzt vielleicht in Brand) Saint-Hilaire von Poitiers und zielt auf die Schätze von Saint-Martin von Tours. Der besiegte Eudo unterwirft sich Karl Martell. Quellen rar: knappe lateinische Chroniken („Karl kämpfte an einem Samstag im Oktober gegen die Sarazenen“); allein die mozarabische Chronik detailliert (innere umayyadische Zwiste). Ort und Datum umstritten (732/733; 38 Ortshypothesen). Historiographie des 19. Jh. mythologisierte das Ereignis; Mediävisten (Pirenne, Micheau, Carpentier, Rouche, Blanc/Naudin) nuancieren: Raid/ghazwa, nordfränkisches Symbol, karolingischer Wendepunkt in Aquitanien — nicht das „endgültige Ende“ jeder muslimischen Präsenz nördlich der Pyrenäen.
Taktik
Woche der Scharmützel, dann entscheidender Stoß. Umayyadische Reiterei gegen fränkische Infanterie „wie eine unbewegliche Mauer […] Eiswall“ (mozarabische Chronik). Festigkeit der fränkischen Linien; Nahkampf; Eudos Wasconen bedrohen das Lager (Beute/Familien in manchen umstrittenen Lesarten). ʿAbd ar-Raḥmān fällt; Nachtflucht; Lager am Morgen leer. Keine zuverlässigen antiken Zahlen (Carpentier); manchmal genannte 15–25.000 nicht als Primärzahlen geführt. Ort: Römerstraße Poitiers–Tours (Moussais) oft unter anderen vorgeschlagen.
Folgen
Immense Prestige für Karl Martell; dauerhafte fränkische Intervention in Aquitanien (Einnahme/Plünderung Bordeaux’); Eudo geschwächt (Rouche: eigentlicher politischer Verlierer). Andalusische Einfälle über die Rhône ab 734; Schlacht an der Berre (737); Narbonne bleibt umayyadisch bis 759 (Pippin der Kurze). Der Sieg ist nicht das „endgültige Ende“ jeder muslimischen Präsenz nördlich der Pyrenäen. Historisches Symbol vor allem im 19. Jh. gebaut; Debatte über Tragweite (Gegenraid vs strategischer Wendepunkt) offen.