Schlacht von Vouille
Fränkisch-westgotischer Krieg (507) – Eroberung Aquitaniens · Vouillé (Campus Vogladensis), bei Poitiers, Vienne (Gallien) — nördliche Grenzzone des Westgotenreichs
Zusammenfassung
Im Frühjahr 507 traf auf der Ebene von Vouillé bei Poitiers das fränkische Heer Chlodwigs I. und seines Sohnes Theuderich auf die Westgoten Alarichs II., verstärkt durch auvergnatische Miliz unter Apollinaris von Clermont. Die Franken überquerten die Loire Richtung Poitiers; Alarich zog nach Norden, ohne erhoffte ostgotische Unterstützung und während ein Teil seiner Kräfte in Hispanien gegen die Oströmern gebunden war. Der Überlieferung nach fiel Alarich im Kampf (Gregor; die Hand Chlodwigs selbst ist bisweilen umstritten), was die westgotische Flucht auslöste, während die Auvergnaten bis zum letzten Mann widerstanden. Der Sieg öffnete den Franken Aquitanien: Einnahme von Toulouse (508), Bordeaux, Vasallisierung der Auvergne; die Westgoten behielten kaum mehr als Septimanien und einen Teil der Provence. Ab 508 machte Chlodwig Paris zur Hauptstadt. Anastasios verlieh ihm den Ehrentitel eines Konsuls.
Historischer Kontext
In den 490er Jahren führte Chlodwig bereits Züge gegen das westgotische Tolosanerreich (496, 498); General Suatrius konnte den Fall Bordeaux’ nicht verhindern und verschwand als Gefangener. Mit Unterstützung des oströmischen Kaisers Anastasios, beunruhigt durch arianisch-gotische Expansion, griff Chlodwig das weite westgotische Gebiet an (Hispanien und Südwestgallien bis Loire und Cevennen). Theoderich der Große versuchte den Frieden zu wahren. Im Frühjahr 507 überquerten Chlodwig und Theuderich die Loire. Alarich, ohne einen Teil seiner Truppen und ohne ostgotischen Beistand (vielleicht in Absprache mit Chlodwig), entschloss sich zum Kampf auf der Ebene von Vouillé. Katholisch/arianische Rivalität und gallorömischer Klerusrahmen die Offensive, ersetzen aber nicht die territorialen Ziele. Eine Legende bei Gregor lässt Chlodwig auf der Jagd nach einer Hirschkuh eine Furt durch die hochwasserführende Vienne finden.
Taktik
Der Kampf begann im Morgengrauen. Westgotische Reiter setzten vermutlich aufeinanderfolgende Attacken ein; die Franken setzten eine Wand aus Franzisken entgegen. Es folgte ein Handgemenge. Die Überlieferung lässt Alarich II. fallen — bisweilen durch Chlodwig persönlich in den ersten Augenblicken (Beleg bisweilen fehlend) —, was westgotische Panik auslöste, wie in Tolbiac nach dem Tod des alamannischen Anführers. Die taifalische Reiterei gilt als entscheidend gegen die westgotische Kavallerie. Die auvergnatische Infanterie des Apollinaris ergab sich nicht und kämpfte bis zum Ende; Gregor nennt 10.000 Bürger der Auvergne. Gegen Mitte des Vormittags endete die Schlacht. Englische Darstellungen nennen auch Fernkämpfer im Rücken und den Nahkampf südlich von Vouillé nach Verzögerung durch die Hochwasser-Vienne. Manche Lesarten halten Alarichs Heer für größer und besser ausgerüstet, doch die Moral brach mit auvergnatischen Verlusten und dem Tod des Königs. Rundzahlen „15.000 / 20.000“ stehen nicht bei Gregor.
Folgen
Die Westgoten gaben den Großteil ihres Reichs nördlich der Pyrenäen auf (Loire–Pyrenäen, Atlantik–Provence); sie behielten Septimanien und einen Teil der Provence. Chlodwig eroberte Toulouse (508), vorübergehend die Narbonensis (von den Ostgoten nach dem Scheitern vor Arles zurückgewonnen), Aquitanien, Gascogne, Languedoc, Limousin und vasallisierte die Auvergne. Die Provence blieb burgundischen Verbündeten überlassen, die vor Arles scheiterten und geschwächt hervorgingen. Gesalec versuchte einen Gegenschlag bei Narbonne und wurde beseitigt. Theuderich verfolgte die Goten in Hispanien. Anastasios machte Chlodwig zum Ehrenkonsul (508). Paris wurde Hauptstadt, besser gelegen für die südlichen Eroberungen. Vouillé gilt oft als Beginn der südlichen, pyrenäischen Umrisse des späteren Frankreich; The Battle of Vouillé, 507 CE: Where France Began betont diese Tragweite. Toledo wurde später westgotische Hauptstadt in Hispanien, jenseits der unmittelbaren Folgen von 507.