Erste Schlacht in der Picardie
Erster Weltkrieg – Wettlauf zum Meer · Sektor Picardie, Somme, Albert – Péronne – Amiens, Frankreich
Zusammenfassung
Die Erste Schlacht in der Picardie markierte die erste große Phase des „Wettlaufs zum Meer“, des gegenseitigen Umgehungsversuchs nach Norden nach der Frontstabilisierung an der Aisne. Truppen der neu gebildeten französischen 10. Armee rückten in Richtung Amiens, Péronne und Albert vor, um die deutsche Flanke zu umgehen. Die Deutschen reagierten mit dem schnellen Transport von Einheiten auf der Schiene und erreichten manchmal strategische Positionen vor den Franzosen. Die Kämpfe waren erbittert: Dörfer wurden eingenommen und zurückerobert, Artillerieangriffe und Kavalleriebewegungen prägten diese Tage, in denen Manöver Vorrang vor Position hatte. Beide Seiten erkannten schnell, dass eine vollständige Einschließung unmöglich war: Die Linien froren nach und nach ein, was den Stillstand des „Wettlaufs zum Meer“ ankündigte.
Historischer Kontext
Nach Marne und Aisne versuchte Joffre, die strategische Initiative zurückzugewinnen, indem er versuchte, den deutschen Flügel von Norden her zu flankieren. Er gründete die 10. Armee unter General Maud'huy und schickte sie in die Picardie. Die Deutschen unter Rupprecht von Bayern verstanden das Manöver schnell und zogen ihre Kräfte per Zug zusammen, wobei sie von einer hervorragenden Logistik profitierten. Der Wettlauf um die Kontrolle über die Eisenbahnknotenpunkte (Amiens, Arras, Albert) verlieh dem Krieg eine neue Dimension: Es war der Beginn einer durchgehenden Front, an der jedes Dorf zum Einsatz erbitterter Kämpfe werden konnte.
Taktik
In den ersten Phasen dominierten Manöver: Gewaltmärsche, Kavallerieaufklärung, Truppentransport per Bahn über Dutzende von Kilometern pro Nacht. Sobald ein Dorf besetzt war, wurden in aller Eile Schützengräben ausgehoben, um Gegenangriffen standzuhalten. Es kam zu Angriffen mit dem Bajonett; Maschinengewehrfeuer stoppte Infanteriewellen. Die Artillerie spielte eine wachsende Rolle: jedem Angriffsversuch ging ein Bombardement voraus, die Koordination blieb jedoch mangelhaft. Mehrere Ortschaften (Albert, Bray-sur-Somme, Bapaume) wechselten wiederholt den Besitzer und Durchbruchsversuche blieben vergeblich.
Folgen
Die Schlacht um die Picardie ermöglichte es keiner Seite, einen entscheidenden Vorteil zu erlangen. Die Front erstreckte sich nun bis zur Somme und umgab das industrielle Herz Nordfrankreichs. Die Unmöglichkeit, den Feind zu überflügeln, beschleunigte den Übergang vom mobilen Krieg zum kontinuierlichen Stellungskrieg. Für Frankreich war es das Bewusstsein für die extreme logistische Mobilität Deutschlands und die Dringlichkeit, die nördlichen Verteidigungsanlagen zu verstärken. Der „Wettlauf zum Meer“ würde weiter nach Artois, Armentières, Flandern und zur Nordsee führen.