Erste Schlacht von Artois (Winteroffensive 1914–1915)
Erster Weltkrieg – Westfront · Artois, Carency – Sektor Notre-Dame-de-Lorette – Roclincourt, Pas-de-Calais, Frankreich
Zusammenfassung
Die Erste Schlacht von Artois, manchmal auch „Lorette-Winteroffensive“ genannt, leitete die Reihe der großen französischen Offensiven des Jahres 1915 ein. Zwischen Dezember 1914 und Januar 1915 versuchte die 10. französische Armee, die deutsche Front auf dem Plateau von Notre-Dame-de-Lorette und in der Region Carency zu durchbrechen. Die Kämpfe waren erbittert und erstreckten sich durch Schnee, Schlamm und eisige Kälte: Wiederholte Frontalangriffe, Artilleriebeschuss, Bajonettangriffe und Minenkrieg prägten den Alltag der Soldaten. Trotz lokaler Gebietsgewinne (Grabeneroberungen, Vorstöße auf dem Lorette-Kamm) scheiterte die Offensive an den immer tiefer werdenden deutschen Verteidigungsanlagen. Die Verluste waren schrecklich und die Front blieb am Ende der Operation praktisch unverändert.
Historischer Kontext
Nach dem Scheitern der Champagne versuchte Joffre, die Offensiven zu vervielfachen, um den Feind zu zermürben und den Druck der Alliierten aufrechtzuerhalten. Artois wurde aufgrund seines Reliefs (Plateau über der Ebene von Pas-de-Calais) und der Möglichkeit eines Ausbruchs in Richtung Lens und Douai als Angriffssektor ausgewählt. Der Winter 1914–1915 war außergewöhnlich heftig: Frost, Regen und Schlamm behinderten den Fortschritt; die Logistik ist gescheitert; Das moralische Leiden erreichte seinen Höhepunkt. Die Deutschen unter dem Kommando von Rupprecht von Bayern hatten eine umfassende Verteidigung organisiert: Stacheldrahtnetze, mehrere Schützengräben, Maschinengewehre und Betonunterstände.
Taktik
Die französische Offensive begann mit einem massiven Artilleriebeschuss, gefolgt von Angriffswellen der Infanterie, insbesondere um Notre-Dame-de-Lorette und Carency. Der Minenkampf vervielfachte sich, um feindliche Schutzräume zu zerstören. Schützengräben wurden eingenommen, verloren und dann unter schrecklichen Kosten zurückerobert. Auf dem Bergrücken installierte deutsche Maschinengewehre mähten die französischen Wellen nieder. Trotz lokaler Durchbrüche stellten deutsche Gegenangriffe die Front wieder her. Die Soldaten litten unter Kälte, Hunger, ständigen Bombardierungen und ständiger Feuchtigkeit.
Folgen
Die erste Schlacht von Artois brachte keinen entscheidenden Sieg. Die französischen und deutschen Verluste waren bei Vorstößen von einigen hundert Metern enorm. Die Region Notre-Dame-de-Lorette wurde zu einem der Symbole des Massakers und Märtyrertums der französischen Infanterie im Jahr 1915. Strategisch gesehen zeigte die Schlacht die extreme Schwierigkeit, eine befestigte Front zu durchbrechen, die Notwendigkeit einer Reform der Angriffsmethoden (Artillerie, Verbindung, Logistik) und die Realität des Zermürbungskrieges. Artois blieb bis 1917 Schauplatz mehrerer blutiger Offensiven.