Rückzug und Schlacht von Lang Son
Französisch-chinesischer Krieg · Lang Son, Tonkin (heutiges Nordvietnam)
Zusammenfassung
Nach dem Scheitern bei Bang Bo und der Verwundung von General de Négrier befahl Oberst Herbinger den überstürzten Rückzug der französischen Garnison bei Lang Son in Richtung Tonkin-Delta. Die schlecht organisierte und unter ständigem Druck chinesischer Truppen durchgeführte Operation endete in einer Niederlage. Entlang der Strecke kam es zu Nachhutkämpfen und viele Soldaten verloren sich im Dschungel. Die französische Presse bezeichnete das Ereignis als „Lang-Son-Katastrophe“.
Historischer Kontext
Die im Februar begonnene Lang-Son-Kampagne geriet nach dem Rückschlag in Bang Bo ins Stocken. Das schlecht informierte und um Tonkins Sicherheit besorgte französische Personal geriet angesichts der zahlenmäßigen Überlegenheit der Chinesen in Panik. Der Rückzugsbefehl wurde erteilt, als die militärische Lage nicht verzweifelt war. Der Rückzug löste eine politische Krise in Paris aus (Tonkin-Krise), die den Sturz der Ferry-Regierung beschleunigte.
Taktik
Herbinger versuchte, den Rückzug zu organisieren, indem er durch Nachhutartillerie geschützte Kolonnen bildete. Mehrere Nachhutaktionen hinderten Legionäre und Tirailleure daran, chinesische Truppen zu verfolgen, insbesondere an Brücken am Fluss Ky Lua. Die Disziplin ließ nach und die Marschordnung wurde wiederholt gebrochen, was zu Panik und dem Zurücklassen der Ausrüstung führte.
Folgen
Der Rückzug aus Lang Son markierte das Ende der großen Militäroperationen des Französisch-Chinesischen Krieges. Trotz dieses taktischen Misserfolgs würde Frankreich danach die Kontrolle über Tonkin behalten. Das Ereignis hatte enorme Auswirkungen in Frankreich und führte zum Sturz der Ferry-Regierung und zur Neuorganisation des Kolonialkommandos. Der Waffenstillstand sollte kurz darauf unterzeichnet werden und das französische Protektorat über Annam und Tonkin bestätigen.