Erste Schlacht an der Aisne
Erster Weltkrieg – Stabilisierung der Westfront · Fluss Aisne, zwischen Soissons, Reims und Berry-au-Bac, Frankreich
Zusammenfassung
Die erste Schlacht an der Aisne markierte den entscheidenden Übergang vom mobilen Krieg zum Stellungskrieg an der Westfront. Nach dem Marne-Sieg verfolgten französische und britische Armeen die sich zurückziehenden deutschen Truppen in der Hoffnung, sie über die Aisne hinaus zu vertreiben. Ab dem 13. September überqueren die Alliierten unter feindlichem Beschuss den Fluss und erklimmen die steilen Höhen im Norden (Craonne-Plateau, Chemin des Dames). Die Deutschen, die besser verschanzt und mit überlegener schwerer Artillerie ausgerüstet waren, leisteten hartnäckigen Widerstand. Der zunächst offensive Kampf erstarrte nach und nach zu einer Reihe erfolgloser Frontalangriffe, lokaler Gegenangriffe, unaufhörlicher Bombardierungen und Artillerieduelle. Innerhalb weniger Tage begannen beide Seiten mit dem Ausheben von Schützengräben: Die Frontlinie stabilisierte sich, der Auftakt zu einem fast vierjährigen Stellungskrieg.
Historischer Kontext
Nach der Marne hoffte Joffre, den deutschen Rückzug durch eine allgemeine Verfolgung auszunutzen. Die Deutschen unter von Kluck und von Bülow entschieden sich, auf den Aisne-Höhen Halt zu machen, befestigten hastig Kalksteinkämme und bereiteten Stacheldrahtnetze, Schützengräben und Artilleriestellungen vor. Die Alliierten mussten den Fluss auf improvisierten Brücken bei strömendem Regen überqueren und waren dabei Kreuzfeuer und Granatenbeschuss ausgesetzt. Logistische Erschöpfung, Schlamm, fehlende Deckung und die Genauigkeit der deutschen Maschinengewehre machten jeden Vorstoß äußerst kostspielig. Die Schlacht wurde schnell zum Symbol des neuen Industriekrieges: ein Wechsel von Angriffsversuchen, Rückzug und massiven Bombardierungen.
Taktik
Die Franzosen und Briten versuchten zunächst Flankenangriffe und lokale Durchbrüche, um die deutschen Stellungen zu umgehen. Aisne-Überquerungen wurden oft nachts durchgeführt, wobei improvisierte Brücken unter Beschuss standen. Erste Angriffswellen schafften es, bestimmte Dörfer und Hänge zu erobern, wurden dann aber durch schweres Feuer gestoppt. Die auf den Bergrücken gut positionierte deutsche Artillerie fügte den exponierten Truppen schreckliche Verluste zu. Angesichts der Unmöglichkeit eines Durchbruchs verstärkten beide Seiten ihre Befestigungen: Es entstanden durchgehende Schützengräben, unterirdische Schutzräume und eine tiefgreifende Verteidigungsorganisation. Durchbruchsversuche, ob französischer oder britischer Art, scheiterten an der Überlegenheit des Feuers und der Solidität der Verteidigungsnetze.
Folgen
Die Schlacht an der Aisne beendete 1914 endgültig den Bewegungskrieg an der Westfront. Da sich beide Armeen nicht gegenseitig verdrängen konnten, gruben sie sich in ein Grabensystem, das sich bald von der Nordsee bis in die Schweiz erstrecken sollte. Insbesondere bei den ersten Angriffen gab es hohe Verluste. Für Frankreich war es das Ende der Illusionen über einen schnellen Sieg: Belagerungs- und Zermürbungskriege begannen. Technologische Innovationen (Maschinengewehre, schwere Artillerie, erste Grabennetze, Drahtkommunikation) erlangten große Bedeutung. Psychologisch gesehen hinterließ der Kampf ein Gefühl von Stillstand und Erschöpfung und offenbarte gleichzeitig die Ausdauer und Widerstandsfähigkeit der Kämpfer. Die Aisne-Linie und insbesondere das Plateau des Chemin des Dames werden zu einem Symbol des Stellungskrieges und des Frontleidens.